Frauenrechte und Weltfrieden

Heute ist Weltfrauentag.

„Eigentlich wollten wir den Weltfrauentag dieses Jahr nutzen, um auf die Mehrfachbelastung der Mütter und Familien in der Pandemie hinzuweisen“, so Jutta Eichenauer, 1. Vorsitzende des Hebammenverbands Baden-Württemberg. „Aber der Krieg Putins gegen die Ukraine mit all seinen Folgen macht sämtliche Überlegungen dazu marginal. Wir sind fassungslos in Anbetracht dieses Unrechts und wir sorgen uns um all die Menschen, die jetzt im Krieg, im Widerstand und auf der Flucht sind – Männer, Frauen, Kinder“ erklärt die Hebamme.

„Persönlich erlaube ich mir anlässlich des Frauentags die Frage, ob auch Frauen dazu fähig sind, solchen Wahnsinn loszutreten? Die Geschichte ist voll von Beispielen, an denen nur Männer Verursacher dergleichen Elends sind. Liegt es in der Natur der Frau – oder liegt es daran, dass sie historisch und bis heute eher wenig Zugang zur Macht hat? Und wenn Frauen gleichberechtigt wären und gleiche Teilhabe an der Macht hätten, würden sie dann vielleicht gleichermaßen verantwortungslos handeln? Wäre das Ergebnis der Gleichberechtigung, dass sie dann ebenfalls Macht missbrauchen? Als Mutter und Hebamme glaube ich eher daran, dass wer Leben schenkt, es nicht fahrlässig aufs Spiel setzt“, so Eichenauer – und weiter:

„Auf jeden Fall ist der 8. März jedes Jahr von Neuem ein guter Anlass, über Recht, Macht, Verantwortung und deren Missbrauch nachzudenken. Die Vereinten Nationen (UN) haben interessanterweise die Rechte der Frau mit dem Weltfrieden in Verbindung gebracht, als sie 1975 (Internationales Jahr der Frau) den 8. März zum „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden wählten.“

 

Für die Rechte der Frau setzt sich in unserem Bundesland der Landesfrauenrat Baden-Württemberg ein. Er ist das größte frauenpolitische Bündnis im Land und repräsentiert die Vielfalt der weiblichen Bevölkerung.

Der Krieg muss aufhören – sofortige Hilfe für Frauen und Kinder in Not

Der DHV fordert die sofortige Beendigung aller kriegerischen Handlungen und der russischen Invasion in die Ukraine. Die Gefährdung der Zivilbevölkerung, insbesondere von Frauen, Müttern und Kindern, die in jedem Krieg zu den schwächsten und vulnerabelsten Gruppen zählen, muss aufhören. Mütter, Kinder und schwangere Frauen sind auf der Flucht und den Bomben- und Raketenangriffen schutzlos ausgeliefert. Ihr Gesundheitszustand wird sich zunehmend verschlechtern und eine adäquate Versorgung Schwangerer ist jetzt schon nicht mehr möglich.

In Gedanken sind wir bei allen Männern, Frauen und Kindern in der Ukraine und in Russland und bei unseren Kolleginnen, die Geburtshilfe in diesen Tagen nur unter höchster Gefahr für Leib und Seele und unter größten Entbehrungen leisten können.

Zusammen mit unserem Partner, der European Midwives Association (EMA), stehen wir ihnen zur Seite. Es muss alles dafür getan werden, ihnen schnelle Hilfe und die notwendige humanitäre Unterstützung zukommen zu lassen.

Das Statement der EMA ist auf Facebook in deutscher Übersetzung eingestellt:

Liebe Freunde, liebe Kollegen, liebe Hebammen,

Der 24. Februar 2022 hat die Ukraine Krieg getroffen, wir waren versteinert. Eine humanitäre Tragödie entwickelt sich.
Wir sind so dankbar, dass Länder entlang der Grenzen der Ukraine ihre Grenzen geöffnet haben, um die Tausende, die aus ihren Häusern fliehen, zu schützen und zu Bürger aus Ländern, die weiter von der Konfliktzone entfernt sind, machen sich bereit, zu helfen. Hinter diesen Zahlen verbirgt sich riesiges Leid, Angst, zerschmetterte Träume, getrennte Familien und verzweifelte Abschied. Frauen und Kinder sind oft die ersten Opfer in bewaffneten Konflikten. Ukrainische Mütter gebären jetzt in Unterkünften und U-Bahn-Stationen während Luftangriffe.
Die EMA hofft, dass die Rechte von Zivilisten jederzeit respektiert werden. Dieser Frieden wird die brute Kraft der Waffen zurückdrücken. Diese Intelligenz und Menschlichkeit werden diesen Wahnsinn stoppen.
Wir wissen, dass die Gesundheitsberufe, die Hebammen, wie immer, die Frauen und Familien, die vor dem Krieg fliehen, schützen und pflegen werden. Die Europäische Hebammenvereinigung wird alles tun, um ihre Kollegen in diesen schwierigen Zeiten zu unterstützen und die Stimmen der Hebammen, die in diesen Unruhen beteiligt sind, weiter voranzubringen.

Von ganzem Herzen
Agnes Simon,
Präsident des Europäischen Hebammenverbands
Melania Tudose,
Vizepräsident des Europäischen Hebammenverbands
Joeri Vermeulen,
Sekretärin des Europäischen Hebammenverbands
Eva Matintupa,
Schatzmeister des Europäischen Hebammenverbands
Gergana Nikolova,
Vorstandsmitglied des Europäischen Hebammenverbands
Horoskop-Dormitory,
Vorstandsmitglied des Europäischen Hebammenverbands

Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Hebammenverbands e. V. (DHV) vom 1.3.22

Foto von Matti von Pexels

Hebammen und Eltern fordern Politik zum Handeln auf

Auch die Hebammen gehören zu den Berufsgruppen, die seit über einem Jahr beweisen, dass sie zu den Stützpfeilern der Gesellschaft gehören. Sie geben den Menschen Rückhalt und ein Gefühl der Sicherheit. Während der Coronakrise üben sie engagiert und mutig ihren Beruf aus, damit Frauen sicher gebären können.

Der Berufsstand hat schnell reagiert und alle Kräfte und Expertisen gebündelt. Jetzt, im Wahljahr 2021, geht es darum, die Zukunft aktiv mitzugestalten!

Vertreterinnen des Hebammenverbands Baden-Württemberg, des Deutschen Hebammenverbads und von Mother Hood haben am 27.07.2021 mit Politiker*innen/Bundestagskandidat*innen von Bündnis90/Die Grünen, CDU, Die Linke, FDP und SPD über die Zukunft der Geburtshilfe und die Zukunft des Hebammenberufs diskutiert.

Aufzeichnung der Diskussionsrunde vom 27.07.2021 (Hinweis: aufgrund eines WLAN-Ausfalls am Aufnahmeort ist die Qualität am Anfang mäßig, das wird aber schnell besser) mit:

  • Magdalena Haupt, Moderatorin SWR
  • Ulrike Gepperth-Orthofer, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbands e. V.
  • Christel Scheichenbauer, 2. Vorsitzende des Hebammenverbands Baden-Württemberg e. V.
  • Romina Kahlert, Sprecherin der JuWeHen Region 5
  • Lydia Abdallah, Vertreterin von Motherhood e. V.

Aus der Politik zugeschaltet:

  • Imke Pirch, Kandidatin Die Linke, Emmendingen/Lahr
  • Christina Stumpp, Kandidatin CDU, Waiblingen
  • Charlotte Schneidewind-Hartnagel, MdB, Bündnis 90/Die Grünen
  • Robin Mesarosch, Kandidat SPD, Zollernalb/Sigmaringen
  • Stephan Link, Kandidat FDP, Zollernalb/Sigmaringen

Den Worten Taten folgen lassen!
Anspruch und Wirklichkeit klaffen in der Geburtshilfe in Deutschland weit auseinander. Das Nationale Gesundheitsziel „Gesundheit rund um die Geburt“ weist seit seiner Entstehung 2016 den Weg zu einer frauzentrierten Geburtshilfe von der Schwangerschaft über die Geburt bis ins Wochenbett. Doch dieser Weg kann bis heute nicht beschritten werden, da grundlegende Weichen nicht gestellt werden. Die Wahlprüfsteine des Deutschen Hebammenverbandes e. V. (DHV) im Wahljahr 2021 fordern die Politik daher in drei Schritten zum Handeln auf:

– Verbesserung des Hebammenstellen-Förderprogramms bis zur Erreichung einer Eins-zu-eins-Betreuung in den Kreißsälen
– Hebammen entsprechend ihrer umfassenden Fähigkeiten einsetzen
– Betreuung von Schwangeren und Wöchnerinnen als integraler Bestandteil von Gesundheitsversorgung

Die ausführlichen Wahlprüfsteine des Deutschen Hebammenverbandes erhalten Sie unter www.unsere-hebammen.de.

Die spezifisch für die Landtagswahl 2021 in Baden-Württemberg erstellten Wahlprüfsteine des Landesverbands finden Sie hier.

Der Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung

Der Koalitionsvertrag ist unterzeichnet und die Zielsetzung für die neue Legislaturperiode veröffentlicht. Die Vorgaben im Gesundheitsbereich, auf die sich die Koalitionäre festgelegt haben, sind die Stärkung des Gesundheitsstandortes, eine gute primäre Gesundheitsversorgung in allen Regionen des Landes sowie eine bezahlbare und qualitativ hochwertige Pflege.

Ganz im Sinne der Hebammen ist das Ziel, das öffentliche Gesundheitswesen gut aufzustellen und die Familien zu stärken. Die Förderung der lokalen Gesundheitszentren, die Aufwertung der Gesundheitsberufe, die Akademisierung und Nachqualifikation, die Unterstützung der Interdisziplinarität oder auch den Ausbau der Digitalisierung sind Forderungen, die der Hebammenlandesverband Baden-Württemberg mit seinen Wahlprüfsteinen und dem dazugehörigen Nachtrag im Vorfeld der Wahlen an die Landtagsfraktionen geschickt hat. „Wir freuen uns, dass sich unsere zentralen Anliegen in der Absichtserklärung wiederfinden, an deren tatsächliche Umsetzung sich diese Regierung schließlich messen lassen muss“, so Jutta Eichenauer, 1. Vorsitzende des Hebammenverbands Baden-Württemberg.

So soll die Geburtshilfe qualitätsvoll, sicher und wohnortnah angeboten werden. Hebammenkreissäle und Geburtshäuser sollen weiter ausgebaut werden. Man will den Hebammenberuf auch durch die Weiterentwicklung der Akademischen Ausbildung attraktiver machen und die interdisziplinäre Zusammenarbeit weiter unterstützen. Ausdrücklich sollen Nachqualifikationsangebote für altrechtlich ausgebildete Hebammen angeboten werden.
Die Landesregierung will Forschung und Wissenschaft voranbringen, die Digitalisierung vorantreiben sowie die Telemedizin in Pflege und Medizin ausbauen.

Hier der Auszug der Passagen zu den Gesundheitsthemen (Kapitel 6, Seiten 73-74), die auch die Hebammen betreffen:

Gesundheitsversorgung in Stadt und Land sektorenübergreifend weiterentwickeln
Hausärztinnen und Hausärzte, Fachärztinnen und Fachärzte, Zahnärztinnen und Zahnärzte, Psychotherapeutinnen und -therapeuten, Apothekerinnen und Apotheker, Hebammen und Entbindungspfleger sowie die weiteren Heilberufe sind für die ambulante Versorgung der Bevölkerung im ganzen Land von zentraler Bedeutung. Wir werden weiterhin alle Anstrengungen unternehmen, diese flächendeckende Versorgung zu garantieren. Unser Ziel ist es gleichzeitig, die Sektorengrenzen zwischen ambulant und stationär im Gesundheitssystem zu überwinden. Wir wollen eine interprofessionelle und innovative, am Bedarf der Patientinnen und Patienten ausgerichtete Versorgung erreichen. Dafür werden wir beispielsweise die flächendeckende Einrichtung von interdisziplinären Primärversorgungszentren und den weiteren Aufbau von Telemedizin fördern.

Geburtshilfe – qualitätsvoll, sicher und wohnortnah anbieten
Die gute, sichere und wohnortnahe Versorgung von Schwangeren, Gebärenden und Wöchnerinnen wollen wir sichern und fortentwickeln. Wir werden die Ergebnisse des erfolgreichen Runden Tischs Geburtshilfe verstetigen und ausbauen. Die Erprobung lokaler Gesundheitszentren mit Schwerpunkt auf geburtshilflicher Versorgung als Angebot in unterversorgten Regionen werden wir evaluieren und fortführen. Hebammengeführte Kreißsäle und Geburtshäuser in Baden-Württemberg wollen wir ausbauen. Den Beruf der Hebamme bzw. des Entbindungspflegers wollen wir attraktiver machen. Dazu wollen wir die Arbeitsbedingungen der Klinikbeschäftigten in der Geburtshilfe familienfreundlicher gestalten. Grundlagen dafür sind insbesondere eine angemessene personelle Ausstattung und verlässliche Arbeitszeiten. Die gute und enge Zusammenarbeit besonders von Ärztinnen und Ärzten sowie von Hebammen und Entbindungspflegern wollen wir weiter unterstützen. Die bereits begonnene vollständige Akademisierung der Hebammenausbildung ist wesentlich, um den Hebammen- bzw. Entbindungspflegerberuf aufzuwerten. Wir werden akademische Nachqualifizierungsangebote für Hebammen und Entbindungspfleger entwickeln, die nach altem Recht eine Ausbildung abgeschlossen haben. Wir fördern die Hebammen- und Entbindungspflegewissenschaften und bringen die Forschung im Bereich der Geburtshilfe sowie in der Frauengesundheit voran. Wir wollen die Schwangerenberatung mit allen Fragen der Familienplanung gewährleisten. Ungewollt Schwangere benötigen schnelle, fachliche Informationen und Beratung zu operativen und medikamentösen Abbrüchen. Wir stellen uns der Verantwortung, ein ausreichendes Angebot ambulanter und stationärer Einrichtungen zur Vornahme von Schwangerschaftsabbrüchen sicherzustellen.“

Wahlprüfsteine des Hebammenverbands Baden-Württemberg e. V. zur Landtagswahl in Baden-Württemberg 2021

Nachtrag zu den Wahlprüfsteinen des Hebammenverbands Baden-Württemberg e. V. zur Landtagswahl in Baden-Württemberg 2021 zur Gleichwertigkeitsanerkennung und die Erlaubnis zur Führung des akademischen Grades für altrechtlich qualifizierte Hebammen

Die Antworten der Parteien finden Sie ebenfalls in unserem Standpunkte-Menü unter dem Pulldown „Wahlprüfsteine

Jetzt für Morgen. Der Erneuerungsvertrag für Baden-Württemberg (Am 9. Mai 2021 haben die Regierungsparteien den Vertrag unterzeichnet.)

Lokale Gesundheitszentren – neuer Förderaufruf

Das Land hat Mittel für einen weiteren Förderaufruf zur Erprobung lokaler Gesundheitszentren mit Schwerpunkt Geburtfrei gemacht. Im Sommer letzten Jahres erfolgte der erste Aufruf (wir berichteten). Die Landesregierung will damit die Situation von Schwangeren, Gebärenden und Wöchnerinnen im Land weiter verbessern. Durch eine enge Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen soll die Betreuung der Frauen bedarfsgerecht weiterentwickelt werden.

„Die Initiative dazu ging 2019 von unserem Runden Tisch Geburtshilfe aus. Die Weiterführung des Projekts zeigt, dass die modellhaften Gesundheitszentren die Erwartungen erfüllen“, so Jutta Eichenauer, 1. Vorsitzende des Hebammenverbands Baden-Württemberg, Mitinitiatorin des Runden Tischs Geburtshilfe. Das bestätigt auch Staatssekretärin Bärbl Mielich, Leiterin des Runden Tischs: „Auf den ersten Förderaufruf zum Aufbau Lokaler Gesundheitszentren mit Schwerpunkt Geburt hatte es viele Bewerbungen gegeben. Wir konnten im vergangenen Jahr bereits vier zukunftsweisende Projekte fördern, die dazu beitragen sollen, die hohe Qualität in der Betreuung zu sichern und Erkenntnisse für eine bedarfsgerechte Versorgung zu liefern. Das Land fördert nun weitere Gesundheitszentren mit dem Ziel, die flächendeckende Versorgung mit allen Angeboten der Geburtshilfe auf Dauer sicher zu stellen.“

Der Förderaufruf „Erprobung von Lokalen Gesundheitszentren mit Fokus auf geburtshilflicher Versorgung (Folgeaufruf)“ ist nun freigeschaltet. Förderanträge sind bis 31. August 2020 einzureichen.

Antragsformular (docx)

Geburtshilfe wird gestärkt (Pressemittelung des Ministeriums für Soziales und Integration Baden-Württemberg, 10.07.2020)


Beitragsbild: Karolina Grabowska/Pexels (Ausschnitt)

Waffenstillstand weltweit – jetzt!

UN-Generalsekretär António Guterres ruft angesichts der Corona-Pandemie zu einem weltweiten Waffenstillstand auf. Die Krankheit des Krieges und die Krankheit müssten bekämpft werden. „Das ist es, was unsere Menschheitsfamilie braucht, jetzt mehr denn je“, mahnt Guterres.


Das Video seiner Ansprache ist auf Spiegel-online zu sehen.

Eine Petition dazu ist im Internet eingestellt. Im Sekundentakt treffen hier die Unterschriften aus der ganzen Welt ein. Unterschreiben auch Sie.

„Wenn die Corona-Pandemie als Weckruf für einen Wandel zu mehr Menschlichkeit dient, dann könnte sie bei allem Leid und Elend etwas Positives bewirken – darauf sollten wir alle hinarbeiten“, so Jutta Eichenauer.

Der übersetzte Wortlaut seines Aufrufs vom 23. März 2020 auf UNRIC – Regionales Informationszentrum der Vereinten Nationen:

Guterres: Aufruf zu einem Globalen Waffenstillstand
„Unsere Welt steht vor einem gemeinsamen Feind: COVID-19.
Das Virus macht keinen Unterschied zwischen Nationalität oder ethnischer Zugehörigkeit, Gruppierung oder Glauben. Es greift alle an, unerbittlich.
Währenddessen wüten bewaffnete Konflikte auf der ganzen Welt.
Die Schwächsten – Frauen und Kinder, Menschen mit Behinderungen, Marginalisierte und Vertriebene – zahlen den höchsten Preis.
Sie sind auch am stärksten gefährdet, verheerende Verluste durch COVID-19 zu erleiden.
Wir dürfen nicht vergessen, dass in den vom Krieg verwüsteten Ländern die Gesundheitssysteme zusammengebrochen sind.
Die ohnehin schon wenigen Gesundheitsfachkräfte sind häufig betroffen.
Flüchtlinge und andere durch gewaltsame Konflikte vertriebene Personen sind doppelt gefährdet.
Die Wut des Virus veranschaulicht den Irrsinn des Krieges.
Deshalb rufe ich heute zu einem sofortigen globalen Waffenstillstand in allen Teilen der Welt auf.
Es ist an der Zeit, bewaffnete Konflikte zu beenden und sich gemeinsam auf den wahren Kampf unseres Lebens zu konzentrieren.
Den Kriegsparteien sage ich:
Ziehen Sie sich aus den Feindseligkeiten zurück.
Legen Sie Misstrauen und Feindseligkeit beiseite.
Bringen Sie die Geschütze zum Schweigen; stoppen Sie die Artillerie; beenden Sie die Luftangriffe.
Das ist entscheidend:
Hilfe bei der Schaffung von Korridoren für lebensrettende Hilfe.
Um wertvolle Fenster für die Diplomatie zu öffnen.
Hoffnung an Orte zu bringen, die zu den am stärksten von COVID-19 bedrohten gehören.
Lassen wir uns von Koalitionen und Dialogen inspirieren, die sich langsam zwischen rivalisierenden Parteien bilden, um gemeinsame Ansätze gegen COVID-19 zu ermöglichen. Aber wir brauchen noch viel mehr.
Wir müssen die Krankheit des Krieges beenden und die Krankheit bekämpfen, die unsere Welt verwüstet.
Es beginnt damit, dass wir die Kämpfe überall stoppen. Und zwar sofort.
Das ist es, was unsere Menschheitsfamilie braucht, jetzt mehr denn je.“

Es läuft an

„In diesen Zeiten der schlimmen Meldungen möchten wir auch mal wieder auf gute verweisen. Es sind zwar nur kleine Schritte, aber in Anbetracht der für Alle völlig neuen Herausforderung sollten wir diese auch einmal erkennen.

Die Kommunalverwaltungen ächzen unter Corona wie viele andere Systemrelevante auch. Die Mitarbeiter*innen sind für die meisten erste Anlaufstelle und werden überschwemmt mit Problemen, Fragen und Forderungen. Auch wir haben uns mit dringenden Bitten um Unterstützung an sie gewandt. Und auch wenn es vielleicht nicht überall gleich ist, in vielen Kommunen Baden-Württembergs läuft die Hilfe jetzt ganz langsam an. Dafür möchte ich mich im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen herzlich bedanken. Wir wissen durchaus, welche Kraftanstrengung dahintersteckt.
Dennoch möchte ich betonen, dass nach der Krise von politischer Seite genau untersucht werden muss, woran die schlechte Versorgung mit Schutzkleidung lag. Das darf nie wieder passieren. Das ist hoffentlich allen Entscheidungsträgern klar.

Schutzmasken für Hebammen
Dass zunächst bei neuen Lieferungen die Krankenhäuser und Altenheime und auch die Hausarztpraxen prioritär behandelt werden, ist uns klar. Umso mehr freuen wir uns, dass endlich von einigen Landkreisen die Zusage oder gar die Nachricht gekommen ist, dass bereits Schutzgüter an Hebammen verteilt werden, so nach unserer Kenntnis bisher von Pforzheim, Emmendingen, Böblingen, Rottweil und dem Ortenaukreis.

In aller Regel handelt es sich um FFP2-Masken, in Pforzheim gib es sogar Handschuhe und Einmal-Nase-Mund-Masken. Allerdings gibt es immer noch keine Schutz-Kittel – aber das, was jetzt verteilt wird, sorgt für ein kleines Aufatmen.

Eine private Initiative kommt von der Modemacherin Dorothee Schumacher. Sie will 2000 Baumwollmasken mit austauschbarem Filter (für Kohlefilter) an Hebammen spenden. Da die Firma ihren Sitz in Mannheim hat, werden die Masken natürlich lokal an die Mannheimer Hebammen verteilt. Vielen Dank – auch wenn diese Masken vermutlich keinen Schutz bei festgestellter Infektion bieten! Aber auch solche Gesten machen neuen Mut und schaffen Luft.

Dieses Aufatmen möchte ich allen Mitgliedern und auch allen Anderen für die Oster-Feiertage mitgeben. Bleiben Sie gesund und hoffnungsfroh.“

Ihre Jutta Eichenauer

DHV zur Corona-Politik

Die Hebammenverbände und der GKV-Spitzenverband haben in der Corona-Pandemie schnelle Lösungen gefunden. So ist unter anderem die Betreuung von Schwangeren und Müttern nun auch online möglich.

Der Deutsche Hebammenverband e. V. (DHV) hebt in seiner heutigen Pressemitteilungen jedoch auch Mängel hervor. “Voraussichtlich über eine dreiviertel Million Geburten werden meine Kolleginnen in diesem Jahr in Deutschland betreuen”, sagt Ulrike Geppert-Orthofer, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes. “Es ist absolut unverständlich, dass wir nicht überall dort mitbedacht werden, wo es um die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung geht. Und noch viel mehr: Richtig wäre es, auf der Ebene der Entscheider mit am Tisch zu sitzen und unsere Expertise einzubringen – in der Politik, in den Gesundheitsämtern und in den Kliniken.”
Der Deutsche Hebammenverband hat dazu eine Pressemitteilung veröffentlicht.

Hebammen sind systemrelevant (DHV-Pressemitteilung, 8.4.2020)

Systemrelevante Hebamme

Auch Hebammen sind systemrelevant und in diesen Zeiten besonders gefordert. Die Medien sind voll von Dankbarkeitsbezeugungen für alle im Pflegebereich, Medizinsektor und der Lebensmittelversorgung Tätigen. „Wir finden das wunderbar und schließen uns dem auch vollen Herzens an. Unsere eigene Zunft aber vermissen wir bei all diesen Bekenntnissen. Und das schmerzt uns“, so Jutta Eichenauer, 1. Vorsitzende des Hebammenverbands Baden-Württemberg.

Wie Ärzt*innen und Pflegekräfte sind Hebammen aktuell den Gefahren besonders ausgesetzt, sowohl im Kreissaal als auch beim Hausbesuch. „Während einer Geburt entsteht zwangsläufig ein enormer Tröpfchen-Kontakt, allein die Wehen-Atmung emittiert viel Aerosol, dem sind die Hebammen bei der Geburt ausgesetzt“, erklärt die Hebamme.
Vor allem die freiberuflichen, ambulant tätigen Hebammen wissen selbst nie, ob sie in den Familien mit der Infektion konfrontiert werden, und im schlimmsten Fall die Infektion weitertragen. Denn schützen können sie sich kaum.

Alleine gelassen
Weil die freiberuflichen Hebammen Kleinst-Unternehmerinnen sind, werden sie bei der Beschaffung von Schutzkleidung und Masken wie Kolleginnen und Kollegen der ambulanten Pflege alleine gelassen. Die zuständigen Gesundheitsämter versuchen zwar, an Schutzausrüstung zu kommen, aber ob und wann das gelingt, ist unklar. Dabei arbeiten gerade Hebammen in einem Beruf, in dem der geforderte Mindestabstand von 1,5 Metern zu den betreuten Frauen und deren Säuglingen gar nicht eingehalten werden kann.

„Hinzu kommt, dass gerade jetzt die Wöchnerinnen so früh wie selten aus den Kliniken in die ambulante Hebammenversorgung entlassen werden. Das ist einerseits genau das, was wir uns immer schon gewünscht haben,“ so Jutta Eichenauer, „unter den aktuellen Corona-Beringungen ist es jedoch eine Herausforderung, bei der wir volle Unterstützung brauchen.“
(siehe Beitrag: Ambulante Hebammenversorgung in Zeiten von Corona)

Und nach der Krise?
Als Hebamme und Berufsverbandsvertreterin hofft und erwartet sie, „dass wir nicht vergessen werden, wenn Boni an all diejenigen verteilt werden, die derzeit das System am Laufen halten. Und wenn die Politik zu Recht endlich darüber nachdenkt, auch nach der Krise die Löhne in diesen Branchen zu verbessern, dann muss auch die Honorierung unseres Einsatzes als Hebammen sich in einer gerechteren Bezahlung niederschlagen.“

Ambulante Hebammenversorgung in Zeiten von Corona

Um Infektionen in Kliniken zu vermeiden, werden entbundenen Frauen frühzeitig nach Hause entlassen, darunter auch bereits die ersten Corona-Positive. Über eine weitere Vorgehensweise gibt es keinerlei Information oder gar Strategie, das sind zumindest die Rückmeldungen, die wir erhalten.

„Wir können die Kliniken entlasten. Das macht aber nur Sinn, wenn die Wöchnerin draußen eine Hebamme hat und diese sich schützen kann. Ziel der frühen Entlassungen ist ja nicht nur die Schaffung von Kapazitäten, sondern vor allem die Vermeidung von Infektion. Gerne kommen wir der Aufforderung nach, uns um die Frauen und Neugeborenen bzw. Säuglinge zuhause zu kümmern. Das können wir aber nur, wenn wir Schutzkleindung und Masken haben,“ betont Jutta Eichenauer, 1. Vorsitzende des Hebammenverbands Baden-Württemberg. „Wichtig aber ist ein gemeinsam durchdachtes Management zur Überleitung. Diesem Krisenstab müssen die Hebammen zwingend angehören.“

Schutz vor Infektion
Der Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft der Chefärzte, Prof. Dr. med. J. Wacker, hat zusammen mit dem Hebammenverband Baden-Württemberg in einer gemeinsamen Verlautbarung formuliert, wie die Überleitung der Frauen aus der Klinik in die ambulante Hebammenversorgung auf Grund der Corona-Situation erfolgen könnte.

Wichtigste Voraussetzung für das Vorgehen: Zum Schutz der Hebamme, aber auch zur Vermeidung der Weiterverbreitung von COVID-19 von einer Familie zur anderen, müssen die Hebammen mit ausreichend Schutzkleidung ausgestattet sein.

Die Gewährleistung dieser wichtigsten Voraussetzung ist jedoch nicht gegeben. Daher rufen sie alle amtlichen Stellen und auch alle Privaten zu Spenden von Schutzkleidung und Masken auf und bitten dafür um Direktkontakt mit einer Hebamme in der jeweiligen Umgebung.

Gemeinsame Verlautbarung von BLFG e. V., ARGE der Chefärzte von Baden-Württemberg, und Hebammenverband Baden-Württemberg e. V.

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