Weltstillwoche 2022: „Stillen – eine Handvoll Wissen reicht“

Unter dem Motto: „Stillen – eine Handvoll Wissen reicht“ steht die diesjährige Weltstillwoche (3.-9.10.2022). Mit diesem internationalen Aktionstag, der von der WABA (World Alliance for Breastfeeding Action – Weltallianz für aktive Stillförderung) ins Leben gerufen wurde, wird auf die Vorteile des Stillens aufmerksam gemacht. Die globale Strategie zu Säuglings- und Kleinkindernährung wurde in der Innocenti-Deklaration von UNICEF und WHO herausgegeben.
Unzählige Hebammenverbände weltweit unterstützen die Woche mit Aktionen und Informationsmaterial, so auch der Deutsche Hebammenverband e. V. (DHV), seine Landesverbände und Organisationen wie Babyfreundlich, Mother Hood oder Nationale Stillförderung. Informieren Sie sich auf deren Websites und Medienkanälen sowie den Plattformen Ihrer Städte und Gemeinden über Aktionen in Ihrer Nähe.

Stillen ist von der Natur vorgesehen
Barbara Müllerschön-Göhring, Stillbeauftragte des Hebammenlandesverbands Baden-Württemberg e. V., betont: “Zahlreiche Studien belegen den gesundheitlichen Nutzen des Stillens für Mutter und Kind , denn beide profitieren vom intensiven Hautkontakt und der Nähe zueinander. In der aktuellen Krisenzeit ist der Vorteil, dass Muttermilch nicht gekauft werden muss, kein unwesentlicher Aspekt. Zudem ist Muttermilch immer richtig temperiert, fast keimfrei und stets verfügbar – ohne Verpackung, Sterilisation oder Logistik. Deshalb ist Stillen ökologisch wesentlich nachhaltiger als künstliche Babynahrung.“ Vor allem aber sei Stillen von der Natur vorgesehen und müsse nicht groß erlernt werden: „Eine Handvoll Wissen reicht“ – so das diesjährige Motto der Weltstillwoche.

Stillfreundliche Orte finden Sie auf Facebook. Weitere Informationen über die Hashtags #breastfeeding #stepupforbreastfeeding #worldbreastfeedingweek2022 #educateandsupport #wswmitderafs #weltstillwoche2022 #einstehenfürdasstillen #muttermilchernährung

Beitragsbild: Detail des Plakat-Fotos von Kerstin Pukall

Kein Alkohol in der Schwangerschaft

Mit dem „Tag des alkoholgeschädigten Kindes“, wird jedes Jahr am 9. September darauf aufmerksam gemacht, dass der Konsum von Alkohol in der Schwangerschaft das ungeborene Kind schwer schädigen und die Entwicklung des Kindes beeinträchtigen kann.

Alkohol ist ein Zellgift, das ungehindert über das mütterliche Blut die Plazentaschranke durchdringt und das Ungeborene schwerwiegend und dauerhaft schädigen kann. Die daraus resultierenden Erkrankungen werden unter dem Begriff Fetale Alkoholspektrumstörungen (fetal alcohol spectrum disorder, FASD) zusammengefasst. Bei konsequentem Alkoholverzicht während der Schwangerschaft ist FASD zu einhundert Prozent vermeidbar.

Das Video erklärt, warum schon geringe Mengen Alkohol in der Schwangerschaft und Stillzeit gefährlich sind und welche Konsequenzen das nach sich zieht.

Alle, die Kinder mit einer Fetalen Alkoholspektrumstörung (FASD) begleiten, können sich beim Deutschen FASD Kompetenzzentrum Bayern informieren und bekommen Unterstützung.

Melden Sie sich zum Hebammenkongress an

Heute startet die Anmeldung für den 17. Deutschen Hebammenkongress, der vom 15. bis 17. Mai 2023 in Berlin stattfindet. Unter dem Motto „Begegnung, Bildung, Bündnisse – Wir alle in Berlin“ freuen sich die Veranstalter*innen auf viele Kolleg*innen für einen lebendigen Austausch in Berlin. Melden auch Sie sich an:
 
 

 
 
Sie können teilnehmen und darüber hinaus auch selbst das Programm mitgestalten durch ihren eigenen Beitrag (Call for Abstracts) zu den Themen:
• Hebammenarbeit in der Praxis
• Hebammen in der Gesellschaft
• Internationale Hebammenarbeit
• Interprofessionalität in der Hebammenarbeit
• Möglichkeiten und Chancen in der Hebammenarbeit

Alle Informationen rund um den Hebammenkongress finden Sie auf der Webseite zum Kongress.

Empörende Kommissionsarbeit

Der Deutsche Hebammenverband (DHV) und verschiedene Fachgesellschaften und Verbände kritisieren in einem gemeinsamen offenen Brief die ersten Empfehlungen der Regierungskommission für eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung. Bereits am 14.7.22 hatte der DHV seine Kritik darüber in einer Pressemitteilung geäußert.
Im gemeinsamen offenen Brief hat man nun sämtliche Punkte im Detail zusammengefasst. „Die Kritik: Weder werden die qualitativen Ziele des Koalitionsvertrages berücksichtigt noch wird das Problem der Sicherstellung der flächendeckenden geburtshilflichen Versorgung gelöst oder ein Konzept zur nachhaltigen Finanzierung des notwendigen Fachpersonals vorgelegt“, so die Ankündigung des DHV. Den offenen Brief im Wortlaut finden Sie hier.

„Der Hebammenverband Baden-Württemberg schließt sich dieser Kritik in vollem Umfang an“, so dessen 1. Vorsitzende Jutta Eichenauer. „Wir sind einfach empört. Da steht Regierungsarbeit gegen Regierungsarbeit, denn das offizielle Gesundheitsleitbild wird mit diesen Empfehlungen konterkariert, die sich zudem gegen die im Koalitionsvertrag vereinbarten Ziele für eine zukunftsfähige Geburtshilfe richten. Auch stoßen sie alle Fachleute vor den Kopf, die am Runden Tisch die überfällige Förderung der physiologischen Geburt erarbeitet haben. Schließlich ist das erschreckende Fazit aus den Empfehlungen der Regierungskommission, dass sich Geburten scheinbar nur dann kostengünstig durchführen lassen, wenn Kinder terminiert zur Welt gebracht werden. Was das gesundheitlich und auch langfristig finanziell bedeutet, wurde oft genug ausgeführt. Das ist frauen- und kinderfeindlich und kein angemessenes Signal in heutiger Zeit“, betont Eichenauer und fragt sich erstaunt, warum bis jetzt so wenig Reaktionen auch von Seiten der Eltern erfolgt seien: „Liegt es an dem sorgfältig gewählten Zeitraum der Sommerferien?“

Hebammenkongress mitgestalten

Für den 17. Deutschen Hebammenkongress können ab sofort wieder Beiträge eingereicht werden, mit denen praktizierenden Hebammen, Hebammenwissenschaftler*innen und auch fachverwandten Berufsgruppen, den Kongress mitgestalten.

Dazu stehen fünf Handlungsfelder zur Verfügung, mit denen sich der Deutsche Hebammenkongress auseinandersetzen wird:

  • Hebammenarbeit in der Praxis
  • Hebammen in der Gesellschaft
  • Internationale Hebammenarbeit
  • Interprofessionalität in der Hebammenarbeit
  • Möglichkeiten und Chancen in der Hebammenarbeit

Auch für das Forschungsforum werden Arbeiten von Studierenden und Nachwuchs-Forscher*innen gesucht. Die eingereichten Abstracts durchlaufen ein Peer-Review-Verfahren.

Die Abstracts können bis 15.11.2022 eingereicht werden.

Begegnung, Bildung, Bündnisse – wir alle in Berlin
Unter diesem Motto lädt der Deutsche Hebammenverband zum 17. Deutschen Hebammenkongress vom 15. bis 17. Mai 2023 in Berlin ein.
Die Veranstalter*innen freuen sich auf Sie: „Gemeinsam können wir uns auf einen intensiven, dreitägigen Austausch mit Kolleg*innen, spannenden Referent*innen und Akteur*innen aus dem Gesundheitswesen freuen.“

Neuer LGZ-Förderaufruf mit digitaler Info-Veranstaltung

Die Landesregierung fördert auch dieses Jahr die Erprobung weiterer Lokaler Gesundheitszentren mit dem Fokus auf geburtshilflicher Versorgung (LGZ). Seit heute, 15.07.2022, ist der entsprechende Förderaufruf freigeschaltet. Es ist bereits die dritte Förderphase. In der letzten Förderphase sind zwei Hebammenkonzepte bewilligt worden (wir berichteten):
Radofine – Hebammengeleitetes Gesundheitszentrum Radolfzell
Geburtshaus für Oberschwaben in Ravensburg/Weißenau

Kurzinformation Förderaufruf
Gefördert werden wieder multiprofessionelle und innovative Konzepte, die zur Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung in der Region beitragen. Die Gesundheitszentren sollen eine Art Lotsenfunktion übernehmen und durch eine Koordinierung der Angebote vor Ort die Betreuung von Frauen und ihren Familien verbessern. Antragsteller können kommunale Körperschaften und/oder geeignete Träger (z.B. Ärztenetze, Hebammen, Krankenhäuser, freie Träger) sein, sofern sie eingetragene juristische Personen des privaten oder öffentlichen Rechts sind. Bereits begonnene Projekte sind von einer Förderung ausgeschlossen. Angedacht ist die Förderung von bis zu drei Projekten jeweils vom 15. Oktober 2022 bis maximal zum 31.03.2024. Die maximale Zuschusshöhe beträgt 100.000 Euro für die gesamte Laufzeit des Projekts.

Der Förderaufruf sowie die Antragsformulare sind auf der Website des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration abrufbar.

Frist:
Die vollständigen Unterlagen müssen bis zum 4. September 2022 per E-Mail beim Ministerium eingegangen sein.

Informationsveranstaltung zum Förderaufruf
Aufgrund der kurzen Ausschreibungsfrist bietet das Ministerium eine Informationsveranstaltung für Interessierte an. Diese findet statt am
Donnerstag, 21. Juli 2022, 11 Uhr, per webex.
Interessierte mögen sich bitte per Email anmelden: kirsten.koners@sm.bwl.de

Bündnis Gute Geburt

In Berlin hat sich das “Bündnis Gute Geburt” gegründet. Die fünf Gründungsorganisationen – Arbeitskreis Frauengesundheit, Mother Hood, Deutscher Hebammenverband, Deutscher Frauenrat, Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen – fordern konkrete Verbesserungen und einen grundlegenden Kulturwandel in der Geburtshilfe, der Mutter und Kind ins Zentrum rückt. Das Bündnis will dazu nicht nur Akteur*innen in Gesundheitswesen und Politik ansprechen, sondern auch die Gesellschaft über den besonderen Wert einer Geburt unter respektvollen, menschenwürdigen und sicheren Bedingungen aufklären.

Das Bündnis reagiert damit auf die anhaltenden Missstände in der Versorgung von Frauen und Familien rund um die Geburt und in den ersten Lebenswochen des Säuglings. Ihre Bedürfnisse werden oftmals ignoriert. Viele Gebärende durchleben dadurch psychisch belastende oder traumatische Geburten, die Frauen, Kinder und Familien prägen. Ebenso wirken sich massive strukturelle Defizite und eine mangelhafte Personalausstattung negativ auf die Arbeit von Hebammen und Ärzt*innen aus, die auch die Versorgung von Frau und Kind beeinträchtigen.
Der DHV hat dazu eine Pressemitteilung veröffentlicht.

Bündnis Gute Geburt

Geburtshaus für Oberschwaben

Auch in Oberschwaben wird es bald ein Geburtshaus geben. Im Rahmen der vom Land geförderten lokalen Gesundheitszentren (Primärversorgungszentren) entsteht in Ravensburg ähnlich wie in Radolfzell ein Zentrum mit Schwerpunkt geburtshilflicher Versorgung.

Antonia Göggerle-Locher und Annika Schubert von der Hebammerei in Ravensburg haben das Projekt mit weiteren sechs Kolleginnen auf die Beine gestellt und werden die Einrichtung als gemeinnützige GmbH leiten. Trotzt Anschubfinanzierung des Sozialministeriums bleibt noch ein hoher Betrag offen, denn das Geburtshaus wird in das 1745 erbaute Waschhaus des Klosters Weißenau ziehen. Die nötigen baulichen Maßnahmen müssen aufgrund der hohen Anforderungen des Denkmalschutzes mit großer Sorgfalt durchgeführt werden, was enorme Kosten nach sich zieht.

Förderaufruf
„Die Stadt Ravensburg verpachtet uns das historische Haus für 80 Jahre. Die Sanierungskosten (ca. 1 Mio. Euro) müssen wir jedoch selbst generieren. Zwar hilft die Bank mit, aber die Hälfte der Summe sollte durch Spendengelder eingebracht werden. Das ist eine große Aufgabe, aber gemeinsam schaffen wir das!“, so der Spendenaufruf von Antonia Göggerle-Locher. Sie bittet zudem um Weiterleitung ihres Aufrufs, um möglichst viele Spendenwillige zu erreichen.

Jetzt spenden

Über das Projekt
„Seit 3 Jahren kämpfen die Familien in unserem Landkreis für den Erhalt der geburtshilflichen Stationen“, so die acht Gründerinnen. „Leider bisher erfolglos. Das Recht der Frauen auf eine freie Wahl des Geburtsortes ist nicht mehr garantiert. Es herrscht Fachkräftemangel in den Kliniken und auch die außerklinische Geburtshilfe ist in Gefahr!
Deswegen braucht Ravensburg JETZT ein Geburtshaus und eine Anlaufstelle für werdende Familien!
Ein Geburtshaus ist eine von Hebammen geleitete, selbständige und außerklinische Einrichtung für Geburten. Das Hebammenteam des Geburtshauses betreut die werdenden Eltern vor, während und nach der Geburt. Ein Geburtshaus in Ravensburg garantiert das Wunsch- und Wahlrecht der werdenden Eltern auf die freie Wahl des Geburtsortes (§24d & §24f SGB V). Da es in der näheren Umgebung (> 60 km) noch kein Geburtshaus gibt, besteht hier ganz konkret eine Versorgungslücke. Das Geburtshaus und der dazugehörige Begegnungsort gewährleistet allen Familien eine wohnortnahe Versorgung. Unser Konzept gründet auf einer frau-zentrierten Form der Schwangerenvorsorge durch die Kontinuität der Betreuung und die 1:1 Betreuung während der Geburt. Offene Angebote bieten einen niederschwelligen Zugang für werdende Eltern und ihre Kinder. Außerdem werden Strukturen geschaffen, um die Arbeitsbedingungen von Hebammen zu verbessern und ein interdisziplinäres Netzwerk aufzubauen. So lassen sich wichtige Ressourcen der geburtshilflichen Versorgung bündeln. Als Ausbildungsstätte für Student*innen investiert die hebammerei Ravensburg in den Erhalt und die Zukunft der Hebammenprofession.“

Bundestag streicht Paragraf 219a

Heute hat der Bundestag mit großer Mehrheit den Paragrafen 219a abgeschafft, in dem das Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche geregelt wurde. „Der stammt noch aus dem Jahr 1933 und verhinderte bisher die Möglichkeit, dem heutigen Informations-Bedürfnis – vor allem via Internet – gerecht zu werden“, so Jutta Eichenauer. Die 1. Vorsitzende des Hebammenverbands Baden-Württemberg betont, dass es sich nicht um den Schwangerschaftsabbruch selbst handelt, sondern ‘nur’ um die Informationen dazu. „Wir begrüßen ausdrücklich die Klärung, die mit der Abschaffung dieses alten Paragrafen einhergeht. Bisher setzten sich Ärzt*innen der Gefahr der Strafverfolgung aus, wenn sie medizinisch fundierte Informationen über Möglichkeiten und Risiken z. B. auf ihren Webseiten veröffentlich haben.“ So standen noch 2018 die drei Ärztinnen Kristina Hänel, Natascha Nicklaus und Nora Szász vor Gericht. Ihnen wurde vorgeworfen, dass sie mit der Information zum Schwangerschaftsabbruch werben würden, was nach § 219a verboten war (wir berichteten mehrfach zum Thema).

Verschiedene Sachverhalte
Durch den zeitlichen Zusammenfall wird nun in Medien und Öffentlichkeit dieser Entscheid als Triumpf gegenüber der rückschrittlichen Entwicklung in den USA gefeiert, wo gerade der Supreme Court den Schwangerschaftsabbruch unter Strafe gestellt hat. „Damit werden die völlig verschiedenen Sachverhalte leider fälschlich vermischt, was die Gegner des Schwangerschaftsabbruchs auf den Plan ruft. Die Informationen über den Abbruch werden auf die gleiche Stufe gestellt, wie der Abbruch selbst. Eine unglückliche Polarisierung, denn die Rechtssicherheit für Mediziner*innen halten wir für ebenso wichtig, wie eine fundierte fachliche Informationsleistung zu allen Aspekten des Schwangerschaftsabbruchs“, erklärt Eichenauer.

Trauer nach Schwangerschaftsabbruch
„Hebammen stehen grundsätzliche auf der Seite des Lebens. Aber es gibt Lebensumstände für Frauen, aufgrund derer sie sich für einen medizinisch nicht indizierten Schwangerschaftsabbruch entscheiden – und dieses Recht, über ihren Körper selbst entscheiden zu können, müssen sie auch haben. Wir glauben nicht, dass Frauen diese Entscheidung unreflektiert treffen, dazu ist sie zu einschneidend und schwerwiegend. Und auch sie trauern, nicht nur Frauen, die unfreiwillig ihr Ungeborenes verlieren. Daher muss sich jede Frau auf eine tabufreie und respektvolle Hilfe für alle Formen von Trauer auch nach einem Schwangerschaftsabbruch verlassen können“, so die Hebamme.

Hebammen – vernachlässigte Berufsgruppe

Immer mehr Kliniken schließen – und damit auch immer mehr Geburtshilfestationen. In den letzten 20 Jahren hat sich die Zahl der Geburtshilfestationen in Deutschland halbiert. Auch in Baden-Württemberg schließen mehr und mehr geburtshilfliche Abteilungen. Zuletzt war es 2021 die Geburtsabteilung in Weingarten, in der bis dahin 700 Geburten pro Jahr betreut wurden. Die drohende Schließung in Wangen/Allgäu (800 Geburten/Jahr) ist zwar vorerst vom Tisch, jedoch unter dem Vorbehalt, dass Personalsituation und Geburtenrate in den nächsten zwei Jahren stabil bleiben und die Defizite ausgeglichen werden können, die sich aus der zu geringen Fallpauschale für Geburten zwangsläufig ergeben.

„Da muss man sich doch fragen, wo sollen die Frauen jetzt hin? Und wie sieht das in den übrigen Kreißsälen aus, die dann diese Geburten zusätzlich stemmen müssen – räumlich wie personell? Konnten sie sich darauf einstellen? Und was passiert mit den Hebammen, die durch die Schließung beruflich bedroht sind? Und wie geht es denen, die dadurch einer weiteren Mehrbelastung ausgesetzt werden?“, fragt Jutta Eichenauer, 1. Vorsitzende des Hebammenverbands Baden-Württemberg. Verärgert ist sie darüber, dass in der „Regierungskommission für eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung“, die Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach berufen hat, zwar Expert*innen aus Pflege und Medizin sitzen, Hebammen aber nicht mit einbezogen sind. „Wieder einmal werden wir Hebammen einfach übergangen“, so Eichenauer.

Tarifvertrag – neuerliches Lippenbekenntnis?
Da gerade diese Berufsgruppe so selten beachtet wird, widmete ihr das ZDF-Verbrauchermagazin WISO seinen bemerkenswerten Beitrag anlässlich des Tags der Arbeit (WISO, 2. Mai 2022):
Seit Jahren versuchen Hebammen, auf die existentiellen Probleme aufmerksam zu machen, die ihre Arbeit und somit das Leben von Mutter und Kind bedrohen. „Bevor Hebammen streiken, müssen die Bedingungen wirklich so schlecht sein, dass es gar nicht mehr geht. Und schlimmer“, betont Andrea Ramsell, Beirätin für den Angestelltenbereich im Präsidium des Deutschen Hebammenverbands e. V., im Beitrag. In Berlin war es schließlich so weit, im Oktober 2021 wurde gestreikt. Danach sah es zunächst so aus, als ob der Streik erfolgreich gewesen wäre, denn ein Tarifvertrag wurde ausgehandelt, der am 1.1.22 in Kraft hätte treten sollen. Geändert aber habe sich nichts – so der Stand im Mai 2022.

Lasst uns nicht im Regen stehen
In der Öffentlichkeit wird die prekäre Situation von Hebammen und Geburtsstationen viel mehr beachtet. In den sozialen Medien zeigen Hashtags wie

#lasstunsnichtimregenstehen
#unersetzbar
#hebammen
#hebammensindunersetzbar

die Virulenz der Debatte, die auch viel prominente Unterstützung findet. Nur die Politik schweigt weitestgehend.
„Hebammen sind froh über jede Unterstützung. Aber selbst beispielhaft großangelegte Online-Petitionen, wie die Forderung einer wohnortnahen Geburtshilfe in Niedersachsen, wirken sich nicht auf die Pläne zur Reform des niedersächsischen Krankenhausgesetzes aus – in Baden-Württemberg steht nicht einmal eine solche an“, beklagt Eichenauer und schließt sich dem Kernsatz von Heiner Scheffold an, Chef der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG), der jüngst in einem Interview zitiert wurde:
„Wenn man um Rettungsschirme betteln muss, ist das unwürdig.“ (Schwäbische Zeitung, 19.5.22)

Nach oben