Chancengleichheit

Die 6. Internationale Konferenz der DGHWi (Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft) findet am 28. und 29. Juli 2022 an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Winterthur statt. Das Thema dieses Jahr: „Chancengleichheit – Equality & Equity in Childbirth“.

Austausch und Vernetzung
Die 6. Internationale Konferenz soll dem fachlichen Austausch und der Vernetzung von Hebammen und anderen Professionen im deutschsprachigen und europäischen Raum dienen, die sowohl in der Forschung, der Lehre oder (außer-)klinischen Praxis tätig sind und an der Hebammenwissenschaft Interesse haben. Sie will einen Reflexions- und Diskussionsraum schaffen, welcher Forschungsinteressen weckt, innovative Ansätze der Hebammenversorgung stimuliert und die Reflexion von (außer-) klinischen Erfahrungen und eigener Forschungstätigkeit befördert.
Im Rahmen der Konferenz werden Forschungsergebnisse und wissenschaftlich-methodische Herausforderungen der Hebammenwissenschaft sowie relevanter angrenzender Wissenschaften in Vorträgen und Posterpräsentationen zur Diskussion gestellt.

„Die DGHWi ist enorm wichtig, durch sie haben wir die Möglichkeit, hebammenrelevante Themen selber und nicht von anderen Disziplinen zu beforschen, “ so Jutta Eichenauer, 1. Vorsitzende des Hebammenverbands Baden-Württemberg.
Die DGHWi ist ein eingetragener, gemeinnütziger Verein und fördert als unabhängige wissenschaftliche Fachgesellschaft hebammenwissenschaftliche Forschung, Lehre und Praxis.

Informationen, Programm und Anmeldung

Es muss sich etwas ändern – „dann kann man auf mich zählen“

Am 5. Mai ist Internationaler Hebammentag.

Seit Jahren leidet die stationäre und ambulante Hebammenversorgung unter einem großen Versorgungsnotstand. Hohe Arbeitsverdichtung und -belastung prägen seit Langem den Alltag der Hebammen in Deutschland. Ungeplante Krankheitsausfälle aufgrund von COVID-19-Infektionen sowie der erhöhte Arbeitsaufwand, bedingt durch Maßnahmen zur Reduktion des Ansteckungsrisikos, verschärfen seit Monaten die Lage. Die einrichtungsbezogene Impfpflicht, wo sie nicht durch Einzelfallprüfung ausgesetzt wird, kommt hinzu.

Dennoch werden Hebammen in den Debatten um die jahrelange hohe Belastung und die nunmehr seit zwei Jahren andauernde Mehrbelastung des medizinischen Personals kaum berücksichtigt. Selbst bei wohlwollenden Gesten wie die Boni werden Hebammen völlig außer Acht gelassen.

„So kann es nicht weitergehen“, mahnt Jutta Eichenauer, 1. Vorsitzende des Hebammenverbands Baden-Württemberg e. V. „Hebammen arbeiten seit Jahrzehnten am Limit – mit gravierender Sogwirkung, denn je härter der Beruf wahrgenommen wird, desto weniger sind bereit, sich darauf einzulassen. Die Folge ist eine weitere Verschärfung der Arbeitssituation. Eine berufliche Abwärtsspirale“, so Eichenauer.

Der Deutsche Hebammenverband e. V. (DHV), der bundesweit rund 22 000 Hebammen vertritt, hat jüngst eine Erhebung unter ihnen durchgeführt, um mit Zahlen und klaren Aussagen das Problem zu dokumentieren. Die Frage: Unter welchen Umständen würde man heute in den Beruf als Klinikhebamme (wieder-)einsteigen.
Das Fazit: Wenn die Eins-zu-eins-Betreuung der Frau garantiert ist, die Hebamme nur Hebammentätigkeit ausführen muss und hebammengeleitete Geburtshilfe nicht nur leere Worte sind, dann würde sie (wieder/mehr) im Kreißsaal arbeiten.

Am Welt-Hebammentag um 10 Uhr gibt der DHV eine Pressekonferenz, die über die DHV-Website live mitverfolgt werden kann. Pressemeldungen wird der DHV nutzen, um mit Politiker*innen und Klinikleitungen in Kontakt zu treten, starke Argumente für die Umsetzung der im Koalitionsvertrag vorgesehenen Hebammen-Themen vorzubringen und endlich eine Eins-zu-eins-Betreuung in den Kliniken zu erreichen.

„Wir hoffen, dass Politik und Gesellschaft durch den dramatischen Notstand während der Pandemie aufgerüttelt wurden und das, was mittlerweile wieder als Normalzustand akzeptiert wird, endlich richtig betrachten, als das, was es seit Jahren ist, ein ständiges Arbeiten am Limit“, fordert Eichenauer als Berufsvertreterin, Hebamme und auch als Großmutter, denn die Auswirkung auf die Versorgung sei längst spürbar.

Harte Realität – Statements aus der Umfrage

„Ich liebe die Arbeit im Kreißsaal – aber so kann ich unter keinen Umständen mehr dort arbeiten.“ J. B.-S.

„Unfair für werdende Familien und Personal gleichermaßen.“ J. H.

„So kann es nicht weitergehen! Ich habe nach 3 Jahren Kampf, etwas zu verändern, die Konsequenzen gezogen und gekündigt!“ M. G.

„Ich habe gekündigt, nachdem der Hebammenmangel so eklatant wurde, dass wir mit 1400 Geburten, alleine im Dienst waren, ohne Reinigungskraft. Irgendwann konnte selbst ein Nachdienst gar nicht mehr besetzt werden und alle Frauen, die am Nachmittag davor sich gemeldet haben, wurden wegen Überfüllung verlegt, es wurde nicht kommuniziert, dass der Kreißsaal nicht besetzt war.“ A. B.

„Die Bedingungen der Klinischen Geburtshilfe führen dazu, Geburt als ein urphysiologisches weibliches Ereignis ‚unmöglich‘ zu machen… das Trauma Geburt (sowohl für Frauen, Paare, Kinder als auch für uns Hebammen) benötigt zwei Einsen und den Doppelpunkt als Verbindung – 1:1! [eine Hebamme betreut eine Schwangere; Anm. d. Red.] Alles spricht dafür – nur das System dagegen!“ M. C.-B.

Auswertung der Umfrage „Jede von uns zählt“ für Baden-Württemberg

Frauenrechte und Weltfrieden

Heute ist Weltfrauentag.

„Eigentlich wollten wir den Weltfrauentag dieses Jahr nutzen, um auf die Mehrfachbelastung der Mütter und Familien in der Pandemie hinzuweisen“, so Jutta Eichenauer, 1. Vorsitzende des Hebammenverbands Baden-Württemberg. „Aber der Krieg Putins gegen die Ukraine mit all seinen Folgen macht sämtliche Überlegungen dazu marginal. Wir sind fassungslos in Anbetracht dieses Unrechts und wir sorgen uns um all die Menschen, die jetzt im Krieg, im Widerstand und auf der Flucht sind – Männer, Frauen, Kinder“ erklärt die Hebamme.

„Persönlich erlaube ich mir anlässlich des Frauentags die Frage, ob auch Frauen dazu fähig sind, solchen Wahnsinn loszutreten? Die Geschichte ist voll von Beispielen, an denen nur Männer Verursacher dergleichen Elends sind. Liegt es in der Natur der Frau – oder liegt es daran, dass sie historisch und bis heute eher wenig Zugang zur Macht hat? Und wenn Frauen gleichberechtigt wären und gleiche Teilhabe an der Macht hätten, würden sie dann vielleicht gleichermaßen verantwortungslos handeln? Wäre das Ergebnis der Gleichberechtigung, dass sie dann ebenfalls Macht missbrauchen? Als Mutter und Hebamme glaube ich eher daran, dass wer Leben schenkt, es nicht fahrlässig aufs Spiel setzt“, so Eichenauer – und weiter:

„Auf jeden Fall ist der 8. März jedes Jahr von Neuem ein guter Anlass, über Recht, Macht, Verantwortung und deren Missbrauch nachzudenken. Die Vereinten Nationen (UN) haben interessanterweise die Rechte der Frau mit dem Weltfrieden in Verbindung gebracht, als sie 1975 (Internationales Jahr der Frau) den 8. März zum „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden wählten.“

 

Für die Rechte der Frau setzt sich in unserem Bundesland der Landesfrauenrat Baden-Württemberg ein. Er ist das größte frauenpolitische Bündnis im Land und repräsentiert die Vielfalt der weiblichen Bevölkerung.

Der Krieg muss aufhören – sofortige Hilfe für Frauen und Kinder in Not

Der DHV fordert die sofortige Beendigung aller kriegerischen Handlungen und der russischen Invasion in die Ukraine. Die Gefährdung der Zivilbevölkerung, insbesondere von Frauen, Müttern und Kindern, die in jedem Krieg zu den schwächsten und vulnerabelsten Gruppen zählen, muss aufhören. Mütter, Kinder und schwangere Frauen sind auf der Flucht und den Bomben- und Raketenangriffen schutzlos ausgeliefert. Ihr Gesundheitszustand wird sich zunehmend verschlechtern und eine adäquate Versorgung Schwangerer ist jetzt schon nicht mehr möglich.

In Gedanken sind wir bei allen Männern, Frauen und Kindern in der Ukraine und in Russland und bei unseren Kolleginnen, die Geburtshilfe in diesen Tagen nur unter höchster Gefahr für Leib und Seele und unter größten Entbehrungen leisten können.

Zusammen mit unserem Partner, der European Midwives Association (EMA), stehen wir ihnen zur Seite. Es muss alles dafür getan werden, ihnen schnelle Hilfe und die notwendige humanitäre Unterstützung zukommen zu lassen.

Das Statement der EMA ist auf Facebook in deutscher Übersetzung eingestellt:

Liebe Freunde, liebe Kollegen, liebe Hebammen,

Der 24. Februar 2022 hat die Ukraine Krieg getroffen, wir waren versteinert. Eine humanitäre Tragödie entwickelt sich.
Wir sind so dankbar, dass Länder entlang der Grenzen der Ukraine ihre Grenzen geöffnet haben, um die Tausende, die aus ihren Häusern fliehen, zu schützen und zu Bürger aus Ländern, die weiter von der Konfliktzone entfernt sind, machen sich bereit, zu helfen. Hinter diesen Zahlen verbirgt sich riesiges Leid, Angst, zerschmetterte Träume, getrennte Familien und verzweifelte Abschied. Frauen und Kinder sind oft die ersten Opfer in bewaffneten Konflikten. Ukrainische Mütter gebären jetzt in Unterkünften und U-Bahn-Stationen während Luftangriffe.
Die EMA hofft, dass die Rechte von Zivilisten jederzeit respektiert werden. Dieser Frieden wird die brute Kraft der Waffen zurückdrücken. Diese Intelligenz und Menschlichkeit werden diesen Wahnsinn stoppen.
Wir wissen, dass die Gesundheitsberufe, die Hebammen, wie immer, die Frauen und Familien, die vor dem Krieg fliehen, schützen und pflegen werden. Die Europäische Hebammenvereinigung wird alles tun, um ihre Kollegen in diesen schwierigen Zeiten zu unterstützen und die Stimmen der Hebammen, die in diesen Unruhen beteiligt sind, weiter voranzubringen.

Von ganzem Herzen
Agnes Simon,
Präsident des Europäischen Hebammenverbands
Melania Tudose,
Vizepräsident des Europäischen Hebammenverbands
Joeri Vermeulen,
Sekretärin des Europäischen Hebammenverbands
Eva Matintupa,
Schatzmeister des Europäischen Hebammenverbands
Gergana Nikolova,
Vorstandsmitglied des Europäischen Hebammenverbands
Horoskop-Dormitory,
Vorstandsmitglied des Europäischen Hebammenverbands

Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Hebammenverbands e. V. (DHV) vom 1.3.22

Foto von Matti von Pexels

Corona-Prämie – Hebammen gehen wieder leer aus

“Nach einem aktuellen Entwurf des Bundesgesundheitsministeriums sollen Beschäftigte in Krankenhäusern und der Langzeitpflege erneut eine Corona-Sonderzahlung erhalten. Eine Milliarde Euro ist den Pflegekräften im Koalitionsvertrag als Anerkennung für ihre herausragende Leistung zugesagt worden. Dass Hebammen zum wiederholten Male diese Anerkennung nicht zuteil wird, ist ein Skandal!“ so Andrea Ramsell, Mitglied im Präsidium des Deutschen Hebammenverbands e. V. (DHV) und Beirätin für den Angestelltenbereich. Der DHV hat ihr Statement veröffentlicht.

Pressestatement: Corona-Prämie – Hebammen gehen wieder leer aus (DHV PM, 24.02.2022)

Foto: Chronomarchie/Pixabay

Weihnachtsgruß

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Partnerinnen und Partner,
liebe Unterstützerinnen und Unterstützer!

Weihnachten in Pandemiezeiten. Die aktuelle Situation macht es schwer, den Weihnachtsgruß mit positiven Gedanken zu schmücken und Zuversicht zu vermitteln.

Wir wollen es aber versuchen.

Lassen Sie uns den Blick darauf lenken, was sich trotz aller widrigen Umstände wieder und wieder behauptet:
Die Geburt neuen Lebens.
Und das ist die wunderbare Aufgabe, der wir Hebammen uns tagtäglich widmen. Mit einem kleinen Augenzwinkern und frei von Überheblichkeit können wir doch sagen, dass die Botschaft von Weihnachten unser ureigenes Aufgabenfeld ist.

Im Namen aller, die sich auf Ihre Begleitung in dieser besonderen Phase des Lebens verlassen, möchten wir Ihnen für Ihre verantwortungsvolle Arbeit danken.
Dank auch für alle neuen und bereichernden Begegnungen, digital wie persönlich, mit Ihnen, unseren Kolleginnen und Kollegen, unseren Partnerinnen und Partnern sowie allen Unterstützerinnen und Unterstützern.

Betrachten Sie ausnahmsweise die erzwungenen Kontaktbeschränkungen positiv und genießen Sie den Rückzug ins Private, macht er doch das Besinnen und die Besinnlichkeit eigentlich erst so wirklich möglich. Wir wünschen von Herzen, dass das Ihnen und uns allen gut gelingt.

Bleiben Sie gesund!
Ihr Team des Hebammenverbands Baden-Württemberg



Beitragsfoto Krippe: Jessica Lynn Lewis, Pexels

Gesetz zur Stärkung der Impfprävention gegen COVID-19

Am 10. Dezember 2021 hat der Deutsche Bundestag dem Gesetz zur Impfpflicht für Gesundheits- und Pflegepersonal zugestimmt. Das Gesetz sieht vor, dass ab 16. März kommenden Jahres in bestimmten Einrichtungen tätige Personen geimpft oder genesen sein müssen bzw. ein ärztliches Zeugnis zum Bestehen einer Impfunfähigkeit vorweisen können.

Die vom Bundestag beschlossene Impfpflicht wird u. a. auch Hebammen, sowohl in Geburtseinrichtungen als auch in freiberuflicher Tätigkeit, betreffen. Arbeitsrechtlich wirft das Gesetz noch viele Fragen auf, die im Detail geklärt werden müssen.

Mehr dazu finden Sie auf der DHV-Website.

Menschenrechts-Missbrauch Genitalverstümmelung

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren, unabhängig von Rasse, Geschlecht oder Religion, so ist es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgehalten. Der 10. Dezember ist Tag der Menschenrechte, um jedes Jahr von neuem daran zu erinnern.

Einer der schlimmsten Missbräuche gegen das Menschenrecht ist die Genitalverstümmelung von Mädchen und Frauen. „Hebammen begegnen den Folgen dieses Gewaltakts immer häufiger. Sie ist in vielen Kulturen immer noch verankert – wobei es mir schwerfällt, in diesem Zusammenhang überhaupt von „Kultur“ zu sprechen. Daher wollen wir den Menschenrechtstag zum Anlass nehmen, die Aufmerksamkeit auf diesen schwerwiegenden Missbrauch zu lenken“, so Jutta Eichenauer, 1. Vorsitzende des Hebammenverbands Baden-Württemberg. Sie verweist auf zwei wichtige Informationsplattformen, die aktuell und dauerhaft für Aufklärung sorgen und Hilfe anbieten. So hat Terre des Femmes Kontaktadressen für Information und Beratung zum Thema weibliche Genitalverstümmelung auf ihre Website eingestellt. Das Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg bietet Basis-Informationen mit weiterführenden Links auf vertiefende Informationen auf seiner Website. Zudem hat es zur allgemeinen Aufklärung vor allem auch für Betroffene und potentiell Betroffene die Informationsbroschüre zur Bekämpfung von weiblicher Genitalverstümmelung veröffentlicht, die auch in Englisch verfügbar ist: Information brochure for combating female genital mutilation.

Um Hebammen für den Umgang mit Frauen mit Genitalverstümmelung zu sensibilisieren, hat das Berliner Familienplanungszentrum BALANCE einen Leitfaden für Hebammen im Umgang mit FGM_C in Berlin-Brandenburg herausgegeben.

Der Hebammenlandesverband hat alle diese Informationen dauerhaft in seine Website aufgenommen. Im Hebammen-Menü und im Eltern-Menü stehen sie jederzeit zum Abruf bereit.

„Am 10. Dezember 1948 verabschiedeten die Vereinten Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR), zu der sich 48 Staaten bekannt hatten. Immer wieder bin ich fassungslos, wenn ich sehe, wie weitverbreitet Menschenrechte immer noch mit Füßen getreten werden. Ich wünsche und hoffe, dass kommende Generationen erfolgreicher sein werden in der Umsetzung dieser friedlichen Bekenntnisse“, so die Hebamme und Mutter Jutta Eichenauer.

Foto: SharonMcCutcheon

Gewalt in der Geburtshilfe

Es scheint ein Widerspruch zu sein, aber auch in der Geburtshilfe finden sich Formen von Gewalt. Am 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, machen verschiedene Institutionen auf diesen Missstand aufmerksam. Eine davon ist die Initiative für Gerechte Geburtshilfe in Deutschland, die auch dieses Jahr wieder zur Teilnahme an den weltweiten Aktionen der Roses Revolution an diesem Tag aufrufen. Das Motto: gemeinsam gegen Respektlosigkeit und Gewalt im Kontext von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett.

„Beim Anprangern von Gewalt in der Geburtshilfe habe ich immer ein Störgefühl, denn die Akteure rund um die Geburt sind ja neben den Ärzt*Innen vor allem die Hebammen, also der Berufsstand, den ich vertrete. Dennoch dürfen wir das Thema nicht tabuisieren und natürlich habe ich und auch meine Kolleginnen und Kollegen dazu eine ganz klare Meinung: keine Gewalt!“, so Jutta Eichenauer, 1. Vorsitzende des Hebammenverbands Baden-Württemberg.

Gewalt hat viele Gesichter
Um das Phänomen einschätzen zu können, hebt sie hervor, dass Gewalt eben viele Gesichter hat: Respektlosigkeit und Entmündigung unter der Geburt, Festlegung auf Geburtspositionen ohne Rücksprache mit der Gebärenden, mit Drohszenarien den Geburtsablauf beeinflussen, Eingriffe ohne medizinische Notwendigkeit – und noch einiges mehr, bis hin zum Alleinelassen. „Neben der tabufreien Feststellung müssen wir die ‚Misshandlungen‘ auch differenziert betrachten und uns die Frage stellen, woraus sie resultieren. Sie alleine auf achtlose Routine oder gar eine mögliche Überheblichkeit des medizinischen Fachpersonals zu schieben, ist auf jeden Fall zu kurzgeschlossen. Ein wichtiger Faktor ist der Stress und hiergegen gibt es nur eine einzige – dafür aber denkbar einfache – Lösung: Bessere Arbeitsbedingungen, Eins-zu-Eins-Betreuung und eine angemessene Bezahlung für diese verantwortungsvolle Aufgabe, damit nicht Überlastung und Frustration die Überhand gewinnen. So können zumindest diese möglichen Faktoren für Gewalt bei der Geburtshilfe als Ursache entfallen“, schließt Eichenauer.

Orange the world
Gewaltfreiheit ist ein Menschenrecht. Die von der UNESCO ins Leben gerufene Kampagne „Orange the World“ will das sichtbar machen. Vom 25. November (Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen) bis zum 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, bringen weltweit Menschen, Institutionen und ganze Städte mit unterschiedlichsten Aktionen hoffnungsvolles Licht ins Dunkel der Gewalt – so zum Beispiel mit spektakulären orangenen Lichtprojektionen auf markante Stätten.

Foto: Michelle Leman; Pexels

BDT 2021: DHV stellt berufspolitische Weichen

Auf der dreitägigen Bundesdelegiertentagung des Deutschen Hebammenverbandes e. V. (DHV), mitgliederstärkster deutscher Hebammen-Berufsverband, haben sich rund 200 delegierte Hebammen aus allen Bundesländern zu berufspolitischen Weichenstellungen im Verband beraten und über Personalien durch Wahlen entschieden. Präsenz war nur in kleiner Runde möglich, über die Bildschirme waren alle Delegierten verbunden.

Berufspolitik
Zu den politischen Hauptforderungen gehören die flächendeckende Umsetzung der Eins-zu-eins-Betreuung sowie eine leistungsgerechte Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen für Hebammen. Darüber hinaus wird sich der Verband im Rahmen des von ihm initiierten Zukunftsdialogs Geburtshilfe mit Bündnispartnern zusammenschließen, um gemeinsam einen gesellschaftlichen Wandel anzustoßen mit dem Ziel, die Frau in den Fokus der Versorgung zu stellen.

Im Amt bestätigt
Die Präsidentin des DHV, Ulrike Geppert-Orthofer, wurde mit großer Mehrheit für weitere vier Jahre wiedergewählt.
„Ich freue mich sehr über das Wahlergebnis und bin stolz, diesen großartigen Berufsstand zu vertreten und die Geburtshilfe in Deutschland weitere vier Jahre krisen- und zukunftssicher mitgestalten zu dürfen“, sagt Ulrike Geppert-Orthofer, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbands e. V. zu ihrer Wiederwahl. „Dies ist jedoch nur möglich, wenn wir alle Geburtshilfe neu denken und die Bedürfnisse der Frauen, ihrer Kinder und Familien bedingungslos in den Mittelpunkt stellen. Wir Hebammen als maßgebliche Player im Gesundheitssektor werden dies fordern“, so Geppert-Orthofer. Hierfür schließt sich der Verband mit Bündnispartnern des Zukunftsdialogs Geburtshilfe zusammen. In den vergangenen zwei Jahren hat der DHV im Rahmen des Zukunftsdialogs mit Vertreter*innen aus Gesellschaft, Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und aus der Profession zwölf Visionen für eine gute Geburtshilfe entwickelt – darunter unter anderem die frauzentrierte Geburtshilfe, kontinuierliche Betreuung und Chancengleichheit für alle Frauen und Familien.

Neue Beirätin für den Bildungsbereich
Außerdem wurde Prof.in Dr.in Lea Beckmann als Beirätin für den Bildungsbereich ins Präsidium des DHV gewählt. Die ausgebildete Hebamme und Kinderkrankenschwester ist aktuell freiberufliche Dozentin an mehreren Hochschulen im deutschsprachigen Raum, die einen Hebammenstudiengang anbieten. Die von Beckmann formulierten Ziele für die nächsten vier Jahre sind: enge Zusammenarbeit mit den Hochschulen, Weiterentwicklung der Fort- und Weiterbildung der Kolleg*innen inklusive der digitalen Angebote, spezifische Angebote für die Hebammenlehrer*innen an den Fach- und Hochschulen sowie eine zentrale Registrierung aller Hebammen. In ihrer Bewerbung vor den Delegierten des DHV sagte Beckmann: „An den Hochschulen lernen die Studierenden nicht nur Wissen zu reproduzieren, sondern sie lernen Wissen selbst zu generieren. Das ist der Grundstein zum lebenslangen Lernen.“

Weitere Personalien
Darüber hinaus werden folgende Positionen im DHV neu besetzt:
Compliance-Beauftrage: Susanne Lohmann
Kassenprüfung: Christiane Klimisch
Erste Schatzmeisterin: Dorothee Eisenhardt
Zweite Schatzmeisterin: Petra Kruse
Erste Schriftführerin: Vivian Stehmeier-Denker
Beauftragte für internationale Hebammenarbeit: Judith Otter

Blumen in kleiner Runde (von links): Ursula Jahn-Zöhrens, Beirätin für den Freiberuflichenbereich, Petra Kruse, Schatzmeisterin im Präsidium, Ulrike Geppert-Orthofer, Präsidentin, und Andrea Ramsell, Beirätin für den Angestelltenbereich.

 
Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes für weitere vier Jahre im Amt bestätigt. Verband stellt berufspolitische Weichen (DHV-Pressemitteilung, 19.11.2021)

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